- Fahren darf nur, wer eine „von der Behörde erteilte“ gültige Lenkberechtigung hat (§ 1 Abs. 3 FSG); sie setzt Mindestalter, Verkehrszuverlässigkeit, gesundheitliche Eignung, fahrtechnische Befähigung und eine Erste-Hilfe-Unterweisung voraus (§ 3 FSG).
- Der amtliche Weg kostete laut Erhebung der AK Salzburg vom Oktober 2025 zwischen 2.780 und 2.992 Euro; die Behörde selbst verlangt für die Ausstellung 90 Euro, ohne Prüfungs- und Arztkosten.
- Strafrahmen als Obergrenzen: § 223 StGB bis ein Jahr oder 720 Tagessätze, § 224 StGB bis zwei Jahre, § 224a StGB (Besitz) bis ein Jahr oder 720 Tagessätze.
- Wer ohne Lenkberechtigung fährt, begeht außerdem eine Verwaltungsübertretung nach § 37 FSG.
- Ein „Führerschein“ für wenige Hundert Euro ist keine Lenkberechtigung, sondern ein bedrucktes Stück Plastik.
Was die Anzeigen versprechen
Die Angebote gleichen einander: alle Klassen, keine Prüfung, keine Fahrschule, diskreter Versand. Autorevue beschreibt, dass die Verkäufer über Webseiten und Facebook werben und dass sich die Kunden per WhatsApp melden. Verlangt werden ein Foto und eine Unterschriftsprobe, bezahlt wird im Voraus über Western Union. Manche Seiten bieten dazu gleich Ausweis, Reisepass und Meldebestätigung an. Als Preis nennt der Bericht für einen Pkw-Führerschein auf einer der Seiten rund 1.500 Euro. In einem Strafverfahren in Steyr war von 800 Euro für einen angeblich polnischen Führerschein die Rede (siehe unten). Das sind Einzelwerte aus Berichten, kein Marktpreis.
So läuft die Masche ab
- Der Köder. Eine Seite oder ein Facebook-Profil verspricht den Führerschein ohne Prüfung. Ein Impressum mit nachprüfbarer Anschrift fehlt meist; der Kontakt läuft über WhatsApp.
- Die Daten. Verlangt werden Passfoto, Unterschriftsprobe und persönliche Angaben, „damit die Karte ausgestellt werden kann“.
- Die Vorauszahlung. Gezahlt wird vorab, per Western Union oder einem ähnlichen Weg, der sich kaum rückgängig machen lässt.
- Das Ergebnis. Entweder kommt nichts, oder eine Karte, die in keinem Register steht und bei der ersten Kontrolle auffliegen kann.
- Die Folgen. Ihre Ausweisdaten bleiben beim Verkäufer, und jede Fahrt mit der Karte ist eine weitere Tat.
Die Schritte beschreiben ein Muster aus den geöffneten Quellen, keinen einzelnen Fall.
Versprechen und amtlicher Weg im Vergleich
| Punkt | Was Anzeigen sagen | Was gilt tatsächlich |
|---|---|---|
| Wer stellt aus | „Wir besorgen ihn“ | Die Behörde: Landespolizeidirektion, Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat (oesterreich.gv.at) |
| Antrag | Foto und Unterschrift per WhatsApp | Der Antrag wird in einer Fahrschule gestellt, die die Daten ins Führerscheinregister einträgt |
| Voraussetzungen | Keine | Mindestalter, Verkehrszuverlässigkeit, ärztliches Gutachten, Erste-Hilfe-Unterweisung, Theorie und Praxis (§ 3 FSG) |
| Kosten | Einige Hundert bis rund 1.500 Euro | 2.780 bis 2.992 Euro in der Salzburger AK-Erhebung; 90 Euro Behördengebühr für die Ausstellung |
| Ergebnis | „Original-Führerschein“ | Scheckkarte, laut oesterreich.gv.at 15 Jahre gültig, per Post innerhalb von fünf bis zehn Tagen nach Zahlung der Gebühren |
Was der echte Führerschein kostet
Die AK Salzburg hat im Oktober 2025 Fahrschulen verglichen. Die volle Ausbildung kostete demnach 2.144 bis 2.240 Euro, die verpflichtende Mehrphasenausbildung nach der Prüfung weitere 361 bis 512 Euro, und rund 269 bis 324 Euro fielen außerhalb der Fahrschule an, etwa für Arzt, Erste Hilfe und Fotos. Zusammen ergibt das die Spanne von 2.780 bis 2.992 Euro. Es ist eine Salzburger Erhebung; in Wien oder Vorarlberg können die Preise anders sein. Mehr dazu auf der Seite Führerschein Kosten.
Zwei-Minuten-Check vor jeder Zahlung
- Steht im Angebot „ohne Prüfung“, „ohne Fahrschule“ oder „ohne Arzt“? Dann ist die Frage entschieden.
- Läuft der Kontakt nur über WhatsApp, Telegram oder Facebook, und fehlt eine prüfbare Anschrift?
- Wird Vorauszahlung über Western Union, Kryptowährung oder Gutscheinkarten verlangt?
- Liegt der Preis weit unter dem, was Fahrschule und Gebühren zusammen kosten?
- Soll ein „Führerschein“ aus einem anderen Land kommen, in dem Sie nicht wohnen? Dann lesen Sie zuerst die Seite zum EU-Führerschein aus dem Ausland.
Ein einziges Ja genügt, um abzubrechen.
Was droht: Strafrecht, Lenkberechtigung, Beruf, Ausweisdaten
Strafrecht
Wer eine falsche Urkunde herstellt oder eine echte verfälscht, damit sie im Rechtsverkehr als Beweis dient, wird nach § 223 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen bestraft; ebenso, wer eine falsche Urkunde gebraucht. Betrifft die Tat eine inländische öffentliche Urkunde, sieht § 224 StGB Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren vor, und Autorevue ordnet den Führerschein dieser Gruppe zu. Auch wer eine solche Urkunde übernimmt, sich verschafft oder besitzt, kann nach § 224a StGB bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder 720 Tagessätze bekommen. Das sind Höchstgrenzen, keine Regelstrafen; welche Strafe im Einzelfall verhängt wird, entscheidet das Gericht. Die Rechtslage im Überblick steht auf der Seite Urkundenfälschung (geprüft am 5. Oktober 2026).
Lenkberechtigung
Die gekaufte Karte begründet keine Lenkberechtigung. Wer mit ihr fährt, fährt ohne; das ist nach § 37 FSG eine Verwaltungsübertretung mit einem Strafrahmen bis 2.180 Euro, und wer überhaupt keine gültige Klasse besitzt, zahlt mindestens 363 Euro. Wiedererteilung nach einem Entzug ist ein behördliches Verfahren (Führerscheinentzug); ein gekaufter Schein hebt weder Entzug noch Auflagen auf.
Beruf und Strafregister
Eine Verurteilung steht im Strafregister, und eine Strafregisterbescheinigung zeigt Verurteilungen oder deren Fehlen. Für die meisten Bewerbungen darf sie nicht älter als drei Monate sein (Strafregisterbescheinigung). Was im Einzelfall eingetragen wird, regelt das Strafregistergesetz; das haben wir nicht im Detail geprüft.
Missbrauch Ihrer Ausweisdaten
Wer Foto, Unterschrift und Ausweiskopie verschickt hat, kann diese Daten nicht zurückholen. Beobachten Sie Konten, Post und Verträge auf Ihren Namen, und erstatten Sie Anzeige (Schritte nach der Zahlung).
Ein dokumentierter Fall
Die OÖNachrichten berichteten im Jänner 2017 über einen 20-Jährigen aus Steyr. Er war bei der Fahrprüfung durchgefallen und hatte im Internet für 800 Euro einen polnischen Führerschein bestellt. Bei einer Kontrolle fiel auf, dass er kein Wort Polnisch sprach. Das Landesgericht Steyr verurteilte ihn wegen Urkundenfälschung zu drei Monaten Haft, bedingt nachgesehen. Der Staatsanwalt sagte laut Bericht, der Gebrauch eines gefälschten Führerscheins sei kein Kavaliersdelikt. Der Fall zeigt eine Einzelentscheidung von 2017; er sagt nichts darüber, wie andere Gerichte entscheiden würden.
Mythos und Fakt
| Mythos | Fakt |
|---|---|
| „Aus Tschechien oder Polen bekomme ich ihn ohne Prüfung.“ | Auch dort setzt der Erwerb voraus, dass man mindestens 185 Tage im Jahr im Ausstellungsland lebt (Your Europe). Der Steyrer Fall zeigt, was mit einem „polnischen“ Schein ohne Bezug zu Polen passiert. |
| „Ich kaufe nur und fahre nicht, dann passiert nichts.“ | § 224a StGB stellt schon das Übernehmen, Verschaffen und Besitzen einer falschen besonders geschützten Urkunde unter Strafe, sofern sie als Beweis gebraucht werden soll. |
| „Wenn ich bezahle, ist es wenigstens diskret.“ | Der Verkäufer erhält Foto, Unterschrift und Daten; diskret ist daran nichts. |
| „Western Union ist sicher.“ | Autorevue nennt die Vorauszahlung über Western Union als üblichen Zahlungsweg der Verkäufer. Eine Gegenleistung ist damit nicht gesichert. |
Der legale Weg
Klasse B ist ab 18 Jahren möglich; wer früh anfängt, kann die Ausbildung bis zu sechs Monate vor dem Mindestalter beginnen (§ 6 FSG). Mit L17 gibt es einen Weg zum Führerschein mit 17 (L17). Der Ablauf steht unter Führerschein machen, die Kosten unter Führerschein Kosten.
Wer hilft
| Anliegen | Stelle |
|---|---|
| Geld überwiesen | Ihre Bank, sofort; danach Anzeige bei der Polizei (Notruf 133 nur für Notfälle) |
| Seite oder Angebot melden | Watchlist Internet, Meldeformular auf der Seite |
| Internetkriminalität melden | Meldestelle des Innenministeriums, against-cybercrime@bmi.gv.at; Anzeigen auch bei jeder Polizeidienststelle (onlinesicherheit.gv.at) |
| Fragen zum eigenen Führerschein | Die Führerscheinbehörde, zuständige Behörde suchen |
| Eigene Strafbarkeit | Rechtsanwalt, bevor Sie sich gegenüber der Polizei äußern |
Häufige Fragen
Was kostet ein echter Führerschein der Klasse B in Österreich?
Die AK Salzburg ermittelte im Oktober 2025 eine Gesamtspanne von 2.780 bis 2.992 Euro, einschließlich Fahrschule, Mehrphasenausbildung, Arzt, Erste Hilfe und Gebühren. Die Behörde verlangt für die Ausstellung 90 Euro. Preise legen die Fahrschulen fest; sie unterscheiden sich je nach Region.
Kann man in Österreich den Führerschein ohne Fahrschule machen?
Laut oesterreich.gv.at wird der Antrag in einer Fahrschule gestellt, die die Daten ins Führerscheinregister einträgt. Mit privaten Übungsfahrten (L) und L17 gibt es Wege, einen Teil der Ausbildung mit Begleitperson zu fahren; die AK-Erhebung nennt sie günstiger als die volle Ausbildung. Ganz ohne Fahrschule geht es nicht.
Wie hoch ist die Strafe für einen gefälschten Führerschein?
Das Gesetz nennt Obergrenzen: bis zu einem Jahr oder 720 Tagessätze nach § 223 StGB, bis zu zwei Jahren nach § 224 StGB, wenn es sich um eine öffentliche Urkunde handelt, und bis zu einem Jahr für den bloßen Besitz nach § 224a StGB. Was ein Gericht verhängt, hängt vom Einzelfall ab.
Kann die Polizei prüfen, ob man einen Führerschein hat?
Einen öffentlichen Online-Check für Dritte haben wir nicht gefunden, und wie die Polizei bei Kontrollen abfragt, haben wir nicht belegt. Im Steyrer Fall von 2017 fiel die Fälschung auf, weil der Lenker die Sprache des angeblichen Ausstellungslands nicht sprach.
Ist es legal, einen Führerschein online zu kaufen?
Nein. Eine Lenkberechtigung erteilt nur die Behörde (§ 1 Abs. 3 FSG). Was online angeboten wird, ist eine Fälschung oder kommt nie an; der Gebrauch einer Fälschung kann nach §§ 223, 224 StGB strafbar sein.
Woran erkenne ich einen Betrug?
An „ohne Prüfung“, an Kontakt nur über WhatsApp oder Facebook, an Vorauszahlung über Western Union und an Preisen, die weit unter den Gesamtkosten liegen. Weitere Merkmale auf der Seite Warnsignale.
Quellen und amtliche Links
- § 223 StGB Urkundenfälschung (JUSLINE)
- § 224 StGB Fälschung besonders geschützter Urkunden (JUSLINE)
- § 224a StGB Besitz falscher besonders geschützter Urkunden (JUSLINE)
- § 1 FSG Lenkberechtigung (JUSLINE)
- § 3 FSG Voraussetzungen für die Erteilung (JUSLINE)
- § 6 FSG Mindestalter (JUSLINE)
- § 37 FSG Strafbestimmungen (JUSLINE)
- oesterreich.gv.at: Führerschein, Allgemeines zum Erwerb
- oesterreich.gv.at: Scheckkartenführerschein
- oesterreich.gv.at: Führerscheinbehörden in Österreich
- AK Salzburg: Führerschein, das kostet er wirklich (Erhebung Oktober 2025)
- Autorevue: Führerschein aus dem Internet kaufen (aktualisiert 3. September 2022)
- OÖNachrichten: Fake-Führerschein benutzt, drei Monate Haft bedingt (Jänner 2017)
- Your Europe: Getting a driving licence (EU)
- onlinesicherheit.gv.at: Meldestellen