Betrugswarnung

Führerausweis kaufen: was hinter den Angeboten steckt

Kurzantwort: Einen echten Führerausweis kann man in der Schweiz nicht kaufen. Ihn stellt das Strassenverkehrsamt des Wohnkantons nach bestandenen Prüfungen aus. Wer im Netz einen «Ausweis ohne Prüfung» bestellt, verliert oft nur Geld und Daten, und wer eine Fälschung gebraucht, riskiert nach Art. 252 StGB bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe.

Zuletzt geprüft: · Von Mark Dent

Das Wichtigste vorab
  • Nach Auskunft des ASTRA gibt es den Führerausweis nur beim Strassenverkehrsamt des Wohnkantons; alles andere sei Betrug (zitiert von SRF und Streetlife).
  • Wer ein Motorfahrzeug führt, braucht den Führerausweis (Art. 10 Abs. 2 SVG); ohne ihn zu fahren kann nach Art. 95 SVG mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft werden.
  • Für einen offiziellen Weg nennt der TCS (Stand August 2025) zwei Beispielrechnungen: rund 2’900 und rund 4’410 Franken. Ein Ausweis für ein paar hundert Franken kann deshalb nur Fälschung oder Betrug sein.
  • Strafrahmen als Obergrenzen: Art. 251 StGB bis fünf Jahre, Art. 252 StGB bis drei Jahre, Art. 146 StGB bis fünf Jahre (gewerbsmässig sechs Monate bis zehn Jahre).

Was die Angebote versprechen

Streetlife hat 2024 mehrere dieser Angebote beschrieben: Webseiten mit ausländischer Endung, die den Führerausweis «mit wenigen Klicks» versprechen, und Telegram-Gruppen, in denen angebliche Produktionsfotos und zufriedene Kunden gezeigt werden. Bei einem Shop, den die Redaktion testete, waren 390 Franken anzuzahlen und 640 Franken bei Erhalt fällig, zusammen rund 1’000 Franken. Ein anderer Selbsttest derselben Zeitschrift endete bei 1’300 Franken für angebliche Verwaltungsgebühren, Pflichtkurse und eine Auffrischung, mit Lieferung per Post «in zwei bis fünf Arbeitstagen». Das sind Preise aus Berichten über einzelne Anbieter, keine Marktpreise.

Schon 2022 hatte SRF eine Seite untersucht, die einen Schweizer Ausweis ohne schriftliche und praktische Prüfung versprach und sogar anbot, einen entzogenen Ausweis zu «ersetzen». Das Bundesamt für Strassen und die Sendung meldeten sie dem Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (heute Bundesamt für Cybersicherheit, BACS); die Seite verschwand später.

So läuft die Masche ab

  1. Der Köder. Eine Webseite, eine Telegram-Gruppe oder eine E-Mail verspricht den Ausweis ohne Prüfung. Kontakt gibt es über ein Formular, WhatsApp oder Telegram.
  2. Die Daten. Verlangt werden eine Kopie von Pass oder ID und ein Foto, angeblich für die Anmeldung. Die Zürcher Kantonspolizei sagt dazu gegenüber Streetlife, es gehe den Tätern um zwei Dinge: den Betrug um das Geld und das Abfischen persönlicher Daten.
  3. Die Zahlung. Gezahlt wird im Voraus, oft auf ein Schweizer Konto. Solche Konten gehören laut Streetlife häufig Geldwäscherei-Helfern, den sogenannten Money Mules, die das Geld weiterleiten und so die Spur verwischen.
  4. Der Druck. Im getesteten Chat wurde behauptet, die Prüfung sei sehr schwer; zugleich fielen Wörter auf, die es in der Schweiz nicht gibt, wie «Kfz-Zulassungsbehörde», und die Anrede war unpersönlich.
  5. Das Ende. Entweder kommt nichts mehr, oder eine Karte, die in keinem System steht. Die Kantonspolizei Zürich hält fest, solche Fälschungen flögen meist rasch auf, weil die Polizei die Fahrberechtigung in ihrem System prüfen kann.

Dieses Ablaufmuster haben wir aus den genannten Berichten zusammengesetzt; es beschreibt keinen einzelnen Fall.

Versprechen und amtlicher Weg im Vergleich

PunktWas Anbieter sagenWas gilt tatsächlich
Wer stellt aus«Wir besorgen ihn»Das Strassenverkehrsamt des Wohnkantons (ASTRA)
PrüfungKeine, oder «nur eine Formalität»Theorieprüfung und praktische Prüfung beim kantonalen Strassenverkehrsamt
VorbereitungKeine Fahrschule nötigNothelferkurs, Sehtest, Lernfahrausweis, Verkehrskunde (zwei Abende zu je vier Stunden laut Fahrlehrerverband), Fahrstunden
KostenEtwa 1’000 bis 1’300 FrankenBeispiele des TCS: rund 2’900 bis rund 4’410 Franken, je nach Kanton und Zahl der Fahrstunden
Das Ergebnis«Echter Ausweis»Ein Führerausweis auf Probe für drei Jahre, im Kreditkartenformat aus Polycarbonat seit 15. April 2023

Zwei-Minuten-Check vor jeder Zahlung

  • Steht «ohne Prüfung», «ohne Fahrschule» oder «Ersatz für entzogenen Ausweis» im Angebot? Dann ist die Frage entschieden.
  • Läuft der Kontakt nur über Formular, WhatsApp oder Telegram, und fehlt ein Impressum mit Schweizer Adresse?
  • Soll im Voraus bezahlt werden, auf ein Privatkonto oder per Überweisung?
  • Werden Ausweiskopie und Foto verlangt, bevor irgendein Behördenkontakt stattgefunden hat?
  • Klingen die Texte nach deutscher Amtssprache («Kfz-Zulassungsbehörde») statt nach Strassenverkehrsamt?

Ein einziges Ja genügt, um abzubrechen.

Was droht: Strafrecht, Fahrberechtigung, Identität

Strafrecht

Wer in der Absicht, sich das Fortkommen zu erleichtern, Ausweisschriften, Zeugnisse oder Bescheinigungen fälscht oder eine solche Schrift zur Täuschung gebraucht, wird nach Art. 252 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Art. 251 StGB (Urkundenfälschung) geht bis fünf Jahre, setzt aber die Absicht voraus, jemanden am Vermögen zu schädigen oder sich einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen. Art. 255 StGB erklärt beide auch auf ausländische Urkunden für anwendbar. Wer andere durch arglistige Täuschung zu einer Vermögensschädigung bringt, begeht Betrug nach Art. 146 StGB: bis fünf Jahre oder Geldstrafe, bei gewerbsmässigem Handeln sechs Monate bis zehn Jahre. Das sind Höchstgrenzen und keine üblichen Strafen; über den Einzelfall entscheidet das Gericht. Einen Überblick gibt die Seite Urkundenfälschung und Betrug im Schweizer Strafrecht (geprüft am 5. Oktober 2026).

Strassenverkehr

Mit einer gekauften Karte besitzen Sie keinen Führerausweis. Nach Art. 95 Abs. 1 SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer ohne den erforderlichen Ausweis ein Motorfahrzeug führt; dieselbe Strafdrohung gilt, wenn der Ausweis entzogen oder verweigert wurde. Art. 97 Abs. 1 SVG droht ebenfalls bis zu drei Jahre an, wenn jemand einen Ausweis durch falsche Angaben oder die Vorlage falscher Bescheinigungen erschleicht. Ein Entzug wird nicht aufgehoben, indem man sich eine Karte kauft; über die Wiedererteilung entscheidet die Behörde.

Missbrauch Ihrer Ausweisdaten

Ausweiskopie und Foto, die Sie hergeschickt haben, bleiben beim Anbieter. Laut Zürcher Kantonspolizei geht es den Tätern genau darum. Verfolgen Sie in den Wochen danach Ihre Konten, Post und Mails; wie Sie vorgehen, steht unter Betrug melden.

Mythos und Fakt

MythosFakt
«Im Ausland bekomme ich ihn ohne Prüfung und tausche ihn dann um.»Nach dem ASTRA-Blog setzt der Umtausch einen Mindestaufenthalt von zwölf Monaten im Ausstellungsstaat voraus. Mehr unter EU-Führerschein kaufen.
«Nach einem Entzug gibt es einen Ersatz.»Wiedererteilung und Ersatz gibt es nur vom Strassenverkehrsamt; fahren trotz Entzug ist nach Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG strafbar.
«Ein Schweizer Konto heisst, der Anbieter ist seriös.»Laut Streetlife laufen solche Zahlungen über Konten von Money Mules.
«Die Karte sieht echt aus, also fliegt sie nicht auf.»Der Führerausweis im Kreditkartenformat ist seit 2023 aus Polycarbonat mit mehreren Sicherheitsmerkmalen; die Polizei prüft zudem die Berechtigung im System.

Der legale Weg

Für die Kategorie B ist der Lernfahrausweis ab 17 Jahren möglich (Kanton Bern). Dazwischen liegen Nothelferkurs, Sehtest, Theorieprüfung, Verkehrskunde, Fahrstunden und die praktische Prüfung. Die Schritte stehen in Führerausweis machen, die Details zum ersten Ausweis in Lernfahrausweis.

Wer hilft

AnliegenStelle
Geld überwiesenIhre Bank oder Kartenfirma, sofort; danach Anzeige über Suisse ePolice oder bei der Kantonspolizei
Betrügerische Seite meldenMeldeformular des BACS
Fragen zum eigenen FührerausweisDas Strassenverkehrsamt Ihres Wohnkantons
Eigene StrafbarkeitRechtsanwältin oder Rechtsanwalt, bevor Sie sich gegenüber der Polizei äussern
Schon gezahlt oder Papiere geschickt? Handeln Sie heute: Betrug melden und Schaden begrenzen.

Warum die Preise der Anbieter nicht aufgehen können

Eine einfache Rechnung zeigt, dass ein «Komplettpaket» für 1’000 bis 1’300 Franken nichts mit dem amtlichen Verfahren zu tun haben kann. Nimmt man vom TCS (Stand August 2025) nur die Posten, die auch ohne eine einzige Fahrstunde anfallen, kommt man nach eigener Rechnung auf rund 550 bis 600 Franken: Nothelferkurs 130, Sehtest 20, Lernfahrausweis 40 bis 80, Theorieprüfung 36 bis 40, Verkehrskunde 200, praktische Prüfung 120 bis 134. Dazu kommen die Fahrstunden, im Schnitt 30 zu je 90 Franken, und die Weiterausbildung im Probejahr mit 450 Franken. Ein Anbieter, der all das und den Ausweis zum Preis von 1’300 Franken liefert, müsste Leistungen erbringen, die es nicht gibt.

Was bei einer Kontrolle gilt

Der Ausweis muss nach Art. 10 Abs. 4 SVG stets mitgeführt und den Kontrollorganen auf Verlangen vorgewiesen werden. Wer eine Fälschung vorzeigt, setzt sich dem Vorwurf aus, eine Ausweisschrift zur Täuschung zu gebrauchen. Die Zürcher Kantonspolizei sagt, sie könne die Fahrberechtigung in ihrem System prüfen; die Fälschung muss also nicht einmal als Karte auffallen, um aufzufliegen. Und: Auch wer niemanden getäuscht hat, aber ohne den erforderlichen Ausweis fährt, erfüllt den Tatbestand von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG.

Wenn der Ausweis entzogen wurde: der legale Weg

Viele Anbieter sprechen Menschen an, die ihren Ausweis verloren haben. Hier gilt die Reihenfolge der Behörde: Der Entzug bleibt, bis das Strassenverkehrsamt anders entscheidet. Für den Ausweis auf Probe nennt der Kanton Aargau zwei Regeln: Nach einem Entzug verlängert sich die Probezeit um ein Jahr, und bei einem zweiten Entzug verfällt der Ausweis; dann gilt eine Wartefrist von mindestens einem Jahr, und ein verkehrspsychologisches Gutachten ist beizubringen. Für andere Fälle fragen Sie Ihr Strassenverkehrsamt oder eine auf Verkehrsrecht spezialisierte Anwältin.

Warum die Angebote trotzdem Kunden finden

Die Anbieter verkaufen nicht den Ausweis, sondern die Abkürzung. Wer Fahrstunden bezahlen muss, einen Entzug erlebt hat oder eine Prüfung gefürchtet hat, hört «ohne Prüfung» und hofft. Die Zahlen sprechen dagegen: Gut jeder vierte Anlauf bei der Theorie scheitert, und trotzdem schaffen es sehr viele Menschen im regulären Verfahren, mit Vorbereitung und Wiederholung. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie sich das Verfahren leisten können, fragen Sie bei den Fahrschulen nach Paketpreisen; der Weg ist teuer, aber er endet in einem Ausweis, der einer Kontrolle standhält.

Häufige Fragen

Was kostet ein echter Führerausweis der Kategorie B?

Der TCS rechnet (Stand August 2025) mit Einzelposten wie Nothelferkurs 130 Franken, Sehtest 20 Franken, Verkehrskunde 200 Franken, im Schnitt 30 Fahrstunden zu je 90 Franken sowie Prüfungsgebühren von 36 bis 40 Franken (Theorie) und 120 bis 134 Franken (Praxis). Seine Beispiele enden bei rund 2’900 und rund 4’410 Franken.

Wie viel kostet ein gefälschter Führerausweis?

Es gibt keinen verlässlichen Marktpreis, nur Berichte: Streetlife nennt für ein Angebot 390 plus 640 Franken, für einen Selbsttest 1’300 Franken. Entscheidend ist etwas anderes: Das Geld erkauft keine Fahrberechtigung, sondern ein Strafverfahrensrisiko, sobald die Karte gebraucht wird. Quelle: Art. 252 StGB Fälschung von Ausweisen, Art. 251 StGB Urkundenfälschung; geprüft am 5. Oktober 2026.

Kann ich meinen Führerausweis im Ausland kaufen?

Nein. Auch im Ausland erteilen Behörden Ausweise nur nach Prüfung. Wer in der Schweiz wohnt und einen ausländischen Ausweis umtauschen will, braucht laut ASTRA-Blog einen Mindestaufenthalt von zwölf Monaten im Ausstellungsstaat. Mehr auf der Seite EU-Führerschein kaufen. Quelle: Art. 252 StGB Fälschung von Ausweisen, Art. 251 StGB Urkundenfälschung; geprüft am 5. Oktober 2026.

Ist es strafbar, einen Führerausweis online zu kaufen?

Wer eine gefälschte Ausweisschrift zur Täuschung gebraucht, kann nach Art. 252 StGB bestraft werden, und wer damit fährt, fährt ohne Ausweis (Art. 95 SVG). Ob und wie bestraft wird, entscheidet das Gericht. Gehen Sie in diesem Fall zuerst zu einer Anwältin oder einem Anwalt.

Wie viele fallen in der Schweiz durch die Theorieprüfung?

Für 2022 nennt Streetlife 167’781 Teilnehmende bei 47’119 nicht bestandenen Prüfungen; das sind nach eigener Rechnung rund 28 Prozent. Die Zahl zeigt, dass die Prüfung echt ist und vorbereitet werden muss. Mehr in Führerausweis machen. Quelle: Art. 252 StGB Fälschung von Ausweisen, Art. 251 StGB Urkundenfälschung; geprüft am 5. Oktober 2026.

Woran erkenne ich einen Betrug?

An Versprechen wie «ohne Prüfung», an Vorauszahlung, am Kontakt nur über Messenger oder Formular und an der Bitte um Ausweiskopie vor jedem Behördenkontakt. Mehr auf der Seite Warnsignale. Quelle: Art. 252 StGB Fälschung von Ausweisen, Art. 251 StGB Urkundenfälschung; geprüft am 5. Oktober 2026.

Über den Autor
Geschrieben von Mark Dent auf Grundlage von Gesetzestexten, Mitteilungen der Bundes- und Kantonsbehörden und öffentlichen Berichten. Wir verkaufen, stellen oder vermitteln keine Führerausweise oder andere Dokumente und sind keine Behörde. Die Arbeitsweise steht in den Redaktionsrichtlinien; einen Fehler melden Sie über den Kontakt.